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Dr. phil. Dieter Fricke

poet

Aus meinem Leben ...

Thomas Mann, 1900

 .... gibt es gar nicht so viel Spannendes zu berichten. Bis zum heutigen Tag ist es eine relativ unspektakulĂ€re Biographie (natĂŒrlich von etlichen, schier unvorstellbaren Dramen begleitet) mit den ĂŒblichen Stationen gewesen.

Geboren in der zweiten HĂ€lfte der fĂŒnfziger Jahre, mitten hinein in eine gutbĂŒrgerliche Bremer Familie: FĂŒrsorgliche, aber - jedenfalls aus meiner Sicht - gelegentlich zu kĂŒhle Eltern, ein - manchmal - zickiger, sonst - meistens - netter “großer Bruder” ... dann gab es noch eine leidende aber vielleicht gerade deshalb sehr faszinierende Großmutter (schön, bettlĂ€grig, geheimnisvoll und frĂŒh verstorben), einen Zigarrenduft-umwehten, sehr warmherzigen Großvater (dem ich denn auch folgrichtig mit sieben meine erste Cigartette stahl), eine sehr mondĂ€ne, hĂ€ufig verheiratete und von mir sehr bewunderte Patentante ... und dann die Verwandten auf dem Land: der gemĂŒtlich-schĂŒchterne Großvater, der neben seiner herrischen Gemahlin immer sehr blass wirkte, die skurrile, weit verzweigte Mischpoche aus dem großen Moor zwischen Ottersberg und Völkersen im NiedersĂ€chsischen, die feinen Elmenthalers aus Hamburg-Blankenese... langweilig waren sie alle nicht. Ungewöhnlich schon eher.

Als selbstverstĂ€ndlich verschrobenes Kind war ich manchmal sehr einsam, trotz der vielen Menschen um mich herum und habe am ehesten meinem freundlichen Hund die kleinen Alltagsgeheimnisse anvertraut (auf schlechte Noten in Mathematik und Französisch reagierte er stets mit viel MitgefĂŒhl und einem unverbrĂŒchlich treuen Blick. Diese einzigartige HerzensgĂŒte vermisse ich noch heute gelegentlich). Der drohenden Einschulung sah ich mit eher bangen GefĂŒhlen entgegen, aber die verheissungsvolle Aussicht, dort in dem schicken GebĂ€ude lesen lernen zu dĂŒrfen, hat mich dann doch dorthin verschlagen. Denn  gelesen habe ich immer schon leidenschaftlich gern (das imposante Portrait von Thomas Mann weist nebenstehend schon einmal auf mein großes Idol hin). Ich war ein eher mittelmĂ€ĂŸiger Eleve: SpĂ€testens im Gymnasium habe ich die Naturwissenschaften als ebenso unnĂŒtz wie unverstĂ€ndlich abgetan und den demĂŒtigenden Sportunterricht (erwĂ€hnte ich schon, dass ich ein wenig pummelig war?) habe ich vom ersten bis zum letzten Schultag gehasst! Die “Trainer” (PĂ€dagogen waren das wirklich nicht) mit ihren unsĂ€glichen Drillmethoden hatten es allerdings auch nicht besonders leicht mit mir, weil ich stets versuchte, ihnen mit meiner ganz speziellen Arroganz ihr selbstgefĂ€lliges, an dĂ€mlichen FußbĂ€llen orientiertes armseliges Dasein jeweils fĂŒr 45 Minuten zur Hölle zu machen. ...

Trotz aller Widrigkeiten: 1977 hielt ich ein mittelmĂ€ĂŸiges Reifezeugnis in der Hand. Lange Jahre des Studierens folgten: ZunĂ€chst ein wenig Kunstgeschichte in Göttingen, dann Architektur und Baugeschichte in Hamburg (schmĂ€hlich endend mit der bitteren Erkenntnis, dass Statik und Baukonstruktion nicht unbedingt zu meinen StĂ€rken zĂ€hlen) und dann schließlich Geschichte, Kulturwissenschaften und Germanistik in Bremen. Diese Jahre habe ich genossen: Anregungen aus der Antike und der Weimarer Zeit, Literatur in HĂŒlle und FĂŒlle und aus allen Epochen, Filmgeschichte (da konnte ich sogar meine Leidenschaft fĂŒr die “Sissi”-Filmtrilogie in einer bahnbrechenden Klausur verarbeiten. Meine These, dass die Erzherzogin Sophie die eigentliche “mĂ€nnliche Hauptrolle verkörpert, wurde immerhin lebhaft diskutiert!). Studienreisen nach Köln und Berlin, in die Niederlande, nach Österreich und Italien brachten nicht nur spannende Erkenntnisse, sondern machten auch unglaublich viel Spass. Professoren wie Hans Kloft, Karl Holl und besonders mein spĂ€terer Doktorvater Hanjo Steinberg waren nicht nur brillante Lehrer, sondern wurden auch zu guten Freunden in diesen Jahren. 1989, wĂ€hrend in Berlin die Mauer zusammenfiel, schrieb ich schließlich meine Examensarbeit. Beides eigentlich durchaus historische Ereignisse...

Ein Volontariat im Historischen Museum / Morgenstern-Museum in Bremerhaven schloss sich an, aber ich wollte noch mehr: Meine Biographie des jĂŒdischen Reichstagsabgeordneten Dr. med. Julius Moses (1867 bis 1942) fĂŒhrte schließlich zur “summa cum laude”-Promotion.


Fortsetzung folgt. ...

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